Valve veröffentlicht SteamOS Beta – Das Linux für Zocker im Check

valve-veroeffentlicht-steamos-beta-das-linux-fuer-zocker-im-check

Im Gaming Bereich haben die Konsolen die Nase vorne, doch wer auf dem Computer spielt, kommt nicht um Windows herum: wichtige Entwicklerwerkzeuge, Grafikkartentreiber und geschickte Kooperationen führten und führen dazu, dass sich eine Alternative kaum durchsetzen kann. Seit geraumer Zeit wird auch der Name Steam mit dem Computer Gaming assoziiert: die Software des Spieleentwicklers Valve erlaubt es, Spiele zu kaufen, miteinander zu spielen und sich auszutauschen und genießt mittlerweile große Akzeptanz unter den Nutzern. Genau diese Firma könnte nun etwas an der Windows Übermacht ändern, denn man kündigte, nachdem man Steam bereits für Mac OS veröffentlicht hatte, 3 gewaltige Überraschungen für 2013 an: die Steam Machine, eine Mischung aus Computer und Konsole, die im Wohnzimmer die PS4 und Xbox One in Bedrängnis bringen soll, einen eigens entwickelten Controller, sowie SteamOS, ein auf Linux basierendes System für Gamer, dass nun offiziell zu downloaden ist (zum 960 MB großen Beta Download).

PC derzeit chancenlos

Videospiele für den Computer haben derzeit einen schweren Stand, denn die Xbox One und Playstation 4 bzw. ihre Vorgänger oder Konkurrenten von Nintendo sind für viele die bessere Alternative, da das System durch Einfachheit besticht: man legt die DVD ein und kann direkt spielen, ohne Treiberprobleme, Installation und Mindestanforderungen. Hinzu kommen andere Probleme, die nicht unmittelbar mit den neuen Konsolen zusammenhängen: Microsoft hat mit Windows 8 die PC Branche weiter geschwächt, ein PC muss immer wieder aufgerüstet werden, Entwickler veröffentlichten Titel zuerst, in besserer Qualität oder ausschließlich auf den Konsolen und insgesamt sind Computer einfach weniger „sexy“ als die Spielekonsolen.

Allerdings gibt es nach wie vor gute Gründe dafür, auf den Computer umzusteigen: die Hardware ist leistungsstärker, individuell und könnte andere Erlebnisse ermöglichen, würde der Fortschritt nicht durch Konsolen ausgebremst, der Computer lässt sich vielseitiger einsetzen, die Hardware ist in den meisten Haushalten ohnehin schon vorhanden, die Unterstützung von Maus und Tastatur und Controllern gleichermaßen erlauben andere Konzepte und mit Notebooks kann man auch unterwegs den kompletten Spielegenuss erleben, zudem gibt es durch Mods, günstigere Spiele und eine größere Anzahl kostenfreier Titel auch in puncto Preis-Leistung-Verhältnis gute Gründe. SteamOS will diese Gründe hervorheben und an den negativen Aspekten arbeiten, ob dies gelingt, wird die Zukunft zeigen.

SteamOS Features im Überblick

Im Kern ist SteamOS dabei ein Debian Linux in Version 7.1 aka Wheezy, also ein klassisches Linux, das man aber in seinem wenig benutzerfreundlichen und für unversierte oder aus der Windows Welt stammende Nutzer unverständlichen Oberfläche kaum zu Gesicht bekommt. Die eigentliche Oberfläche ist auf den Konsum von Spielen und Medien optimiert, präsentiert sich ausgesprochen zeitgemäß und wurde zudem für die Darstellung auf großen Bildschirmen angepasst, was eine Benutzung im Wohnzimmer erleichtern soll. Wer gerne möchte kann das dahinterliegende Debian aber dennoch benutzen und gewinnt so mehr Kontrolle über das System.

Zwei weitere wichtige Funktionen, die bislang fehlten und auch den Steam Client für Windows bereichern würden sind die Familienoptionen und das In-Home Streaming: mit ersterem können mehrere Familienmitglieder ihre Accounts über das System verwalten, sodass es keinen Streit gibt und auch mehrere Spieler ein Gerät benutzen können, wohingegen sich letzeres dem Umstand widmet, das gerade ältere Spiele nur unzureichend für Linux optimiert sind, diese aber über einen Computer oder Mac im Netzwerk auf den Steam Computer gestreamt werden können. Der leistungsstarke PC im Büro kann so den leistungsschwächeren Steam OS Computer im Wohnzimmer aktiv unterstützen und alle Spiele der Plattform verfügbar machen.

Neben diesen Funktionen soll es möglich sein, Musik, Videos und Fernsehinhalte abzuspielen und zu streamen, es gibt übersichtliche Menüs, in denen sich wichtige Einstellungen anpassen lassen, ohne dass man viel individualisieren könnte und es gibt Apps, die sich aus der Steam Oberfläche heraus starten lassen. Obwohl das Angebot derzeit noch recht beschaulich ist, stellt insbesondere dieses Feature eine Symbiose aus Gaming Eigenschaften von Steam und den Möglichkeiten eines Computers dar.

Installation mit Problemen

Zu beachten ist, dass die Installation derzeit nur funktioniert, wenn alle anderen Betriebssysteme gelöscht werden, ein Parallelbetrieb ist noch nicht vorgesehen. Zudem ist die Installation noch einigermaßen sperrig und vieles wirkt, bis zum eigentlichen Kontakt mit der Steam GUI unfertig und nicht komplett durchdacht, was sich durch den Betastatus erklären lässt. Eine Alternative zu der relativ komplexen Installation ist das Ausführen in einer virtuellen Maschine, wozu sich zahllose Tutorials finden, was aber derzeit auch nur für Experimentierfreudige eine Option sein dürfte.

Hinzu kommen die sehr hohen Hardware Anforderungen, die vermutlich sicherstellen sollen, dass aktuelle Spiele flüssig funktionieren: ein 64-Bit Prozessor, 4 GB Arbeitsspeicher, 500 GB freier Festplattenspeicher, UEFI, ein USB Port, der das Booten von ihm unterstützt und Nvidia Grafikkarten (AMD und Intel kommen bald). Insbesondere an diesen Punkten muss Valve noch arbeiten, denn viele Computer erfüllen diese Anforderungen nicht und 500 GB Arbeitsspeicher sind für das reine SteamOS deutlich zu viel.

Fazit zu SteamOS – Zu früh, um zu gefallen

Die Idee hinter SteamOS ist gut und zusammen mit dem Steam Machines könnte es funktionieren, allerdings dürften diese notwendigerweise nicht zu Konsolen werden, da sonst die Alleinstellungsmerkmale wegfallen, die den Computer für Gaming so interessant machen. Mit Debian Linux als Unterbau beraubt sich Steam zudem der Möglichkeit, wirklich interessante Programme bereitzustellen, eventuell könnte man auch hier an einer Möglichkeit arbeiten, diese über den Client zur Verfügung zu stellen und anzupassen.

Der Computer hat nach wie vor ungeahnt großes Potential, welches mit Linux und Steam besser erschlossen werden könnte, doch derzeit raten wie davon ab, SteamOS zu installieren, da es noch zu unfertig ist. Unserer Meinung nach gibt es einige Punkte, die überarbeitet werden müssten, ehe ein Erfolg in Aussicht ist:

  • Die Hardware Anforderungen müssen gesenkt werden
  • Die Installation muss massiv vereinfacht werden, ebenso wie die Handhabung, denn hier punkten die Konsolen
  • Das Spieleangebot für Linux muss wachsen
  • Die Auswahl an Apps und Programmen muss erhöht werden
  • Die Entwickler müssen einfachere Anpassungsmöglichkeiten für SteamOS bekommen
  • Es fehlt an Kooperationen mit prominenten Firmen
  • Ohne Exklusivtitel werden viele Nutzer bei Windows bleiben
Tags: , , , , , , ,

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

*