Microsoft übernimmt Nokia – Zukünftig Smartphones direkt vom Softwareriesen

microsoft-ubernimmt-nokia-zukunftig-smartphones-direkt-vom-softwareriesen1Nokia ist die unangefochtene Nummer eins im Bereich Windows Phone, die Marktanteile liegen bei weit über 80% und beide Firmen profitieren von der engeren Kooperation. Bei solch einer Form der Zusammenarbeit ist es nur verständlich, dass Übernahmegerüchte entstehen, die bislang von beiden Seiten abgewiesen worden sind, da Microsoft noch zu wenig über den Weg wusste, den Windows Phone nehmen würde und der finnische Handyhersteller arge Probleme hatte, überhaupt zu überleben. Nun ist es jedoch beschlossene Sache: der Softwareriese wird das Kerngeschäft Nokias, also den Hard- und Softwarebereich, übernehmen.

Der Firmenzweig mit dem Titel „Endgeräte und Dienstleistungen“ soll, laut einem Brief der beiden CEOs Stephen Elop und Steve Ballmer, bis zum Ende des ersten Quartals 2014 in den großen Konzern aus Redmond eingegliedert werden.  Neben den Lumia Modellen für Windows Phone gehen auch die, besonders in Schwellenländern, sehr erfolgreichen Asha Smartphones in Microsofts Portfolio über, die eine Mischung aus Feature- und Smartphone symbolisieren.

Insgesamt hat die Firmenübernahme 5,44 Milliarden Dollar gekostet, 1,65 Milliarden für Patente Nokias und 3,79 Milliarden für Design, Fertigung, Entwicklung und Marketing. Ein insgesamt vergleichsweise niedriger Preis, wenn man an das Know-How denkt, dass viele nach wie vor mit Nokia assoziieren; für den Messenger Skype musste Microsoft immerhin mehr als 8 Milliarden US-Dollar berappen, ohne, dass so viele wertvolle Patente im Angebot enthalten waren.

Die Übernahme bedeutet auch, dass 32.000 Menschen zukünftig einen neuen Arbeitgeber erhalten, nicht zuletzt Stephen Elop, der bisherige CEO. Vorübergehend bleibt er Chef der Handysparte, langfristig soll er jedoch eine andere Rolle im Unternehmen innehaben, möglicherweise sogar als neuer Microsoft CEO, nachdem Steve Ballmer vor einiger Zeit seinen Rücktritt verkündet hat. Viele Analysten scheinen, intern, wie extern, Elop als eine geeignete Person für den Job zu sehen und seine Strategie, um Nokia aus der Kriese zu führen, scheint ihnen Recht zu geben.

Die Firma Nokia wird sich in Zukunft auf Netzausrüstung und den Kartendienst HERE konzentrieren, zudem es ein Abkommen mit Microsoft gibt, der besagt, dass man gegenseitig den Zugriff auf wichtige Patente teilt. Erst kürzlich hatte Nokia dem Unternehmen Siemens Anteile an einer Firma mit Schwerpunkt auf den Netzausbau abgekauft, um in diese Richtung zu expandieren. Die Resonanz, die es bislang zu der Navigationssoftware gibt, ist so gut, dass sie als einziges Geschäftsfeld sogar ausreichen könnte.

In Zukunft werden nur die aktuellen Modelle und Low-End Geräte (Series 40 und Series 30) mit dem Nokia Schriftzug in den Handel kommen, Microsoft wird selbst entscheiden, ob man die Namen Asha und Lumia beibehält, dem ganzen aber definitiv einen eigenen Stempel aufdrücken. Für eine Übernahme der Namen spräche die Prestige, die sie bereits genießen, dagegen spricht die Tatsache, dass man die Hardware individualisieren und auf das eigene Unternehmenskonzept zuschneiden möchte.

Dass die Übernahme zumindest von Anlegern positiv aufgenommen wird zeigen indes die Aktienkurse, die von unter 3 Dollar auf 4,36 Dollar angestiegen waren, nachdem der Deal bekanntgegeben wurde. Bis 2018 möchte Microsoft übrigens einen Marktanteil von 15% durch die Windows Phone Geräte von Nokia erzielen, was ungefähr 1,7 Milliarden Geräten insgesamt, also 255 Millionen Geräten pro Jahr entspräche – derzeit liegt man gerade einmal bei 7,4 Millionen. Zu schaffen wäre dies, indem man das System verbessert, aggressiver Marketing betreibt und die Hardware so stark subventioniert, dass es Dummheit wäre, sie nicht zu kaufen.

Sowohl Elop, als auch Ballmer erklärten, dass man optimistisch in die Zukunft sehe, dem Kerngeschäft wenig Veränderungen zufügen werde und dass die Modelle von Nokia zu noch größeren Herausforderungen für andere Hersteller werden sollen. Man darf gespannt sein, was mit Nokia passiert, ob es Windows Phone zugute kommt und wer letztlich der wahre Gewinner des Kaufes ist.

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