US-Regierung macht Druck – Edward Snowdens E-Mail Anbieter Lavabit muss seinen Service einstellen

us-regierung-macht-druck-edward-snowdens-e-mail-anbieter-lavabit-muss-seinen-service-einstellenEdward Snowden ist vermutlich der Mensch, dessen Name in den letzten Wochen am häufigsten in den Medien gefallen ist. Der Whistleblower war als Techniker für den US-amerikanischen Geheimdienst NSA tätig und hat durch seine Courage das PRISM Programm, eine globale Überwachung des Internets, öffentlich gemacht. Nachdem es daraufhin eine Großfahndung gab, hat er mittlerweile Asyl in Russland erhalten; von dort aus nutzte er einen Anbieter für verschlüsselte E-Mails namens Lavabit. Dass die US-Regierung nach wie vor alarmiert ist und wie groß die Relevanz der Leaks sind, zeigen die derzeitigen Ereignisse: Lavabit ist seit einiger Zeit nicht mehr erreichbar (http://www.lavabit.com), die Daten sollen offenbar sichergestellt werden.

Auf der Website findet man derzeit nur eine Nachricht des Gründers des Unternehmens und diese klingt alles andere als rosig, sowohl was seinen Service, als auch was ihn und die Nutzer betrifft. Hier der komplette Text:

„My Fellow Users,
I have been forced to make a difficult decision: to become complicit in crimes against the American people or walk away from nearly ten years of hard work by shutting down Lavabit. After significant soul searching, I have decided to suspend operations. I wish that I could legally share with you the events that led to my decision. I cannot. I feel you deserve to know what’s going on–the first amendment is supposed to guarantee me the freedom to speak out in situations like this. Unfortunately, Congress has passed laws that say otherwise. As things currently stand, I cannot share my experiences over the last six weeks, even though I have twice made the appropriate requests.
What’s going to happen now? We’ve already started preparing the paperwork needed to continue to fight for the Constitution in the Fourth Circuit Court of Appeals. A favorable decision would allow me resurrect Lavabit as an American company.
This experience has taught me one very important lesson: without congressional action or a strong judicial precedent, I would _strongly_ recommend against anyone trusting their private data to a company with physical ties to the United States.

Sincerely,
Ladar Levison
Owner and Operator, Lavabit LLC.“

Es heißt in diesem Text, dass Ladar Levison, der Gründer, nicht über die Geschehnisse der letzten sechs Wochen reden darf, obwohl er die erforderlichen Anträge gestellt habe. Dies ist eine gängige Methode um zu verhindern, dass Informationen an die Öffentlichkeit gelangen; in den USA dürfen Geheimdienste es Firmen untersagen, bestimmte Geschehnisse oder Informationen zugänglich zu machen. Des weiteren habe man den Mann vor die Entscheidung gestellt, ob er seine Arbeit am Projekt einstellen oder entsprechende Daten herausgeben wolle, laut einigen Experten ist es wohl das erste Mal in der Geschichte der USA, dass ein Unternehmen lieber geschlossen wird.

Die Nutzer können jedoch beruhigt sein: laut Lavabit haben nach wie vor nur diese Zugriff auf ihre E-Mails, was es wahrscheinlich macht, dass der NSA oder andere Regierungsbehörden im Rahmen der PRISM Leaks an die versandten Daten von Snowden oder gar aller Nutzer kommen wollten.  Abschließend warnt der Gründer davor, seine privaten Daten irgendeinem Unternehmen anzuvertrauen, dass direkten oder indirekten Kontakt mit der Regierung der Vereinigten Staaten hat (im Datenskandal wurde bekannt, dass auch große Unternehmen wie Google oder Microsoft wissentlich an der Überwachung mitwirkten).

Die Regierung selbst äußerte sich zu den Vorwürfen und Vorkommnissen bislang nicht, doch der ähnliche Anbieter Silent Circle schien  ebenfalls besorgt zu sein und hat seinen Dienst (für verschlüsselte Text-, Audio-, und Videonachrichten) kurze Zeit nach Lavabit eingestellt. Die Nutzerdaten wurden bereits restlos vernichtet, in der Begründung heißt es, dass man lieber agiere, solange es noch legal sei, als später zu einer Herausgabe gezwungen zu werden.  Somit hat Silent Circle auch eindeutig bestätigt, dass man derzeit (noch) keinen Druck von Seiten der Regierung erhalten hat; der Anbieter hat jedoch auch keine Verbindung zu Edward Snowden, wie sie Lavabit hat(te).

Insgesamt sind allein bei Lavabit, welches gegründet wurde, als 2004 bekannt worden ist, dass die großen E-Mail Anbieter ihre Daten weitergeben, rund 400.000 Nutzer betroffen, die nun keine Möglichkeit mehr haben, an ihre E-Mails zu kommen oder weiterhin verschlüsselt zu kommunizieren. Wenn selbst Sicherheitsexperten wie der Erfinder der PGP Verschlüsselungssoftware Phil Zimmermann (Gründer von Silent Circle) davon sprechen, dass die Sicherheit der Daten nicht mehr gewährleistet werden kann, sollten auch die letzten Nutzer bemerkt haben, wie stark die Einflussnahme der Regierungen auf das (eigentlich freie) Internet doch sind.

Das Fazit aus der Schließung von Lavabit und Silent Circle muss jeder für sich selbst ziehen, alarmierend ist es allemal und wenn selbst die Verschlüsselung von E-Mails (eine Sicherheitsmaßnahme, die viel zu wenig Nutzer umsetzen) nicht mehr hilft, wird es für Privatanwender zusehends schwerer, sich vor PRISM, Tempora und anderern Formen staatlicher Überwachung zu schützen.

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2 Responses

  1. Howdy just wanted to give you a quick heads up.

    The words in your content seem to be running off the screen in Ie.
    I’m not sure if this is a format issue or something to do with browser compatibility but I
    thought I’d post to let you know. The design look great though!
    Hope you get the problem solved soon. Cheers

    • Howdy.
      Thank you for reporting this issue, which version of the IE do you use ?
      I tried to reproduce this error, but I wasn’t able to.

      Greetings,
      Leon.

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