Russischer Mobilfunkmarkt erlebt Kurswechsel – iPhone in Russland bald nicht mehr erhältlich

russischer-mobilfunkmarkt-erlebt-kurswechsel-iphone-in-russland-bald-nicht-mehr-erhaltlichIn gewisser Weise sind die Mobilfunkanbieter auch von den Herstellern der Smartphones abhängig, in erster Linie ist es aber anders herum. Wenn ein Provider ein Gerät oder einen bestimmten Hersteller nicht in seinem Sortiment haben möchte, kann der Hersteller dagegen recht wenig tun, außer hoffen, dass die Kunden genügend Interesse an dem Modell haben, dass dem Provider so viel Geld verloren geht, dass es sich letztlich doch lohnt. Apple geht es derzeit in Russland ganz genauso; man will Geräte verkaufen, aber die Provider wollen das iPhone nicht mehr.

Die drei größten russischen Mobilfunkanbieter MTS, MegaFon und, wie kürzlich bekannt wurde, auch VampleCom wollen die Geräte des amerikanischen Herstellers nun nicht mehr vertreiben. Dass dies für Apple einen Komplettverlust des russichen Marktes bedeutet, wird daran ersichtlich, dass diese drei Anbieter fast 82% des russischen Marktes unter sich aufteilen. Für Apple geht es aber um mehr als nur um den Verlust eines Marktes, es geht darum, dass man bei der Expansion insgesamt ein ganzes Stück zurückgeworfen wurde.

Stattdessen setzten die drei genannten Provider nun ganz und gar auf Android und Windows Phone, wenn es um Smart Phones geht. Der größte der russischen Netzbetreiber, MTS, bietet das iPhone schon seit Ende des letzten Jahres nicht mehr an und spezialisiert sich zusehend auf die Nokia Lumia Modelle mit Microsoft Betriebssystem. Was allein dieser Wechsel ausgemacht hat, verdeutlichen die seitdem bekannt gewordenen Zahlen: nur durch den Wechsel eines Providers konnte der Marktanteil von Windows Phone sich um 3% auf insgesamt 8,2% steigern, während Apple von 9 auf 8,3% absackte.

Als Gründe gab der CEO von MTS an, dass sich ein Verkauf von Apples Produkten nicht rentiere, da man die Geräte subventionieren müsste um etwas zu verdienen und da man sich an den hohen Marketingkosten beteiligen müsste. Diese Aussagen sind von mehreren Quellen schon damals bezweifelt worden, da eine solche Strategie für Apple und die Branche überhaupt mehr als untypisch wäre.

Die richtigen Gründe sind vermutlich, dass ein iPhone in den USA nur rund 650 US-Dollar kostet, während es in Russland aufgrund von Steuern und Importgebühren umgerechnet rund 900 US-Dollar kostet.  Weiterhin ist Apple dafür bekannt, dass man Anbieter zur Abnahme großer Mengen drängt, damit sie überhaupt beliefert werden, was die Situation zusätzlich erschwert; für ein vergleichbares Android Smartphone zahlt der Kunde deutlich weniger. Eine Rolle dabei spielt einmal mehr auch die Politik: das russische Roskomnadzor, eine Behörde, die Gesetze in Bezug auf den IT-Sektro kontrolliert, legt deutlich fest, dass man die teuren Gerätepreise nicht über einen Vertrag subventionieren darf.

Alles in allem kann man das iPhone in Russland zwar noch kaufen (Apple plant nicht nur einen eigenen Store am roten Platz, der Anbieter Svyaznoy, welcher Elektronikartikel verkauft, hat es immer noch im Angebot), aber die Situation für Apple ist in Osteuropa sichtlich schlechter geworden. Es wird sich zeigen, ob man sich aus den schwierigen Märkten ganz zurückzieht oder ob das angebliche (für dieses Jahr einmal mehr angekündigte) Billig iPhone in genau solchen Märkten zu einer Verbesserung führt.

Tags: , , , , ,

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

*