Okö-Rating für Handys – Wenig Befürworter und kaum ein Nutzen für den nachhaltigen Käufer

oko-rating-fur-handys-wenig-befurworter-und-kaum-ein-nutzen-fur-den-nachhaltigen-kauferNachhaltigkeit ist in der schnelllebigen Technikwelt des 21. Jahrhunderts ein Faktor mit steigender Bedeutung, von der sich niemand freisprechen kann, da jeder von den Folgen unmittelbar betroffen ist. Insbesondere im Bereich von Smartphones herrscht dringender Handlungsbedarf, da die Geräte nicht nur voll von giftigen oder schwer abbaubaren Stoffen sind, sondern es aufgrund der kurzen Releasezyklen auch mehr Müll aufkommt, der im besten Falle recycelt werden sollte. Um einen Schritt in die richtige Richtung wollen sich deutsche Mobilfunkprovider bemühen, indem sie (leider jeder für sich) ein Öko-Rating einführen, das dem Nutzer die Nachhaltigkeit neuer Modelle klar und deutlich offenbart. Allerdings wiegen die Probleme derzeit noch viel zu schwer, als dass es einen Nutzen für den interessierten Käufer hätte.

Die Idee an sich ist natürlich, obgleich es sich dabei vor allem um Marketing handelt, zu begrüßen, schnell stellt man jedoch fest, dass es derzeit noch keinen Mehrwert bietet. Ein Blick auf verschiedene Öko-Ratings (etwa die von O2 und Vodafone) verrät, dass ein und dasselbe Modell stark unterschiedlich bewertet werden können (ein Samsung Galaxy Note 2, das bei dem O2 Eco-Index hohe Wertungen erzielt, muss sich bei Vodafone mit der Hälfte der möglichen Punkte zufrieden geben). Dass man bei Testberichten zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen kann, ist jedem verständlich, doch bei diesen Bewertungen geht es um Fakten und nicht um das subjektive Empfinden eines Testers, weswegen die Unterschiede zumindest überraschen.

Die Systeme unterscheiden sich schon bei der Punktevergabe: während das Öko-Rating von Vodafone genauso wie der Eco-Index von O2 von 0 bis 5 Punkten reicht, erarbeitete E-Plus bereits 2011 ein Bewertungssystem für Nachhaltigkeit, dass auf einer Skala von 0 – 10 misst und in Kooperation mit der Umweltschutzorganisation NABU geschaffen wurde. Auch die anderen Provider arbeiten zum Teil mit Experten der Smartphone Unternehmen oder mit Umweltschutzorganisationen zusammen, problematisch ist jedoch, dass man sich in einigen Bereichen auf die Angaben der Hersteller verlässt, ohne diese nachzuprüfen (was in gewissen Bereichen auch nur schwer möglich ist).

Die beiden Bewertungssysteme von Vodafone und O2 gleichen sich auch darin, dass die Kriterienkataloge zusammen mit den Smartphone Herstellern entworfen worden sind, obwohl diese bei den konkreten Tests keinen Einfluss habe. Bei Vodafone gliedert sich das Eco Rating in die drei Kategorien „Grünes Design“, „Unternehmensleistung“ und „Lebenszyklus des Mobilfunkdesigns“; die Organisationen CODDE Bureau Veritas und SKM Enviro unterstützen den Mobilfunkanbieter hierbei aktiv. Der Katalog Vodafones setzt sich aus insgesamt 200 Kriterien zusammen, die sich nicht nur auf ökologische, sondern auch auf ethische Fragestellungen beziehen (beispielsweise die Korruption innerhalb der Firma oder die Ausbeutung von Arbeitern in Niedriglohnländern), obwohl die Unabhängigkeit auch hier dadurch gefährdet ist, dass man die Daten direkt von den Herstellern abruft.  Bei O2 ist besonders skurril, dass ein Viertel aller Punkte von dem Kriterium „Funktionalität“ abhängt, etwas, dass über die Nachhaltigkeit eines Gerätes keine Aussage trifft und von Firmen wie Greenpeace bereits kritisiert worden ist.

Was den größten deutschen Anbieter, die Telekom angeht, so ließ man auf Nachfrage folgendes verlauten: „Die Telekom will schrittweise mehr Nachhaltigkeitsaspekte in ihrem Produktportfolio verankern und hat sich deshalb intensiv mit den Möglichkeiten von Öko-Ratings befasst. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass zu viele unterschiedliche Rating-Systeme dem Kunden letztlich bei der Entscheidungsfindung nicht weiterhelfen. Deshalb setzen wir auf die Zertifizierung mit Umweltzeichen, deren Kriterien für den Verbraucher transparent sind und von unabhängigen Fachgremien überprüft werden, soweit diese zur Verfügung stehen.“ Gütesiegel wie der blaue Engel, sind bereits da und wenn sich die Telekom aktiv einsetzen will, diese zu nutzen, ist das ebenfalls gut, problematisch ist aber die mangelnde Transparenz. Der Kunde sieht entweder, dass ein Siegel da ist, oder dass keins da ist, kann aber nicht im Detail nachvollziehen wie gut oder wie schlecht ein Modell in welcher Kategorie abschneidet. Neben der Telekom ist Apple ein sehr prominentes Beispiel für den Öko-Rating Boykott; Apple wolle selbst Berichte über die Nachhaltigkeit liefern und die Forderungen für das Energy Star Stromsparsiegel seien bereits erfüllt, eine äußerst schwache Aussage für einen Weltkonzern.

Wenn es darum geht, welches der drei Systeme für den Kunden den größten Aussagegehalt hat, ist dies derzeit Vodafone; O2 lässt definitiv die falschen Kriterien einfließen und das E-Plus Öko-Rating ist zwar ebenfalls geeignet, umfasst aber lediglich alte Smartphone Modelle, die sich ein neuer Kunde kaum zulegen wird. Allerdings, dies ist ebenfalls positiv, sind alle Provider bereit, sich der Kritik anzunehmen und ihre Kriterien regelmäßig zu überarbeiten; was davon letztlich wirklich geschieht und wobei es sich um übliche PR Phrasen handelt, ist abzuwarten. Derzeit kann ein Kunde sich nicht sicher sein, ein wirklich nachhaltiges Gerät zu kaufen, denn es fehlen nicht nur unabhängige Informationen, die nicht von den Betroffenen selbst kommen, und es fehlt ein einheitlicher Standard (den man bereits anstrebt); als Orientierungshilfe kann derzeit das Öko-Rating von Vodafone angesehen werden.  Wer sich sicher sein möchte, ein faires und nachhaltiges Smartphone sein eigen zu nennen, der kann das Fair Phone bedenkenlos bestellen.

 

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