Microsoft Build 2013 – Neuerungen zu Windows 8.1, eine Developer Preview zum Download, neue Windows Phones und weitere Ankündigungen

microsoft-build-2013-neuerungen-zu-windows-8-1-eine-developer-preview-zum-download-neue-windows-phones-und-weitere-ankundigungenMicrosoft sah sich in der letzten Zeit scharfer Kritik von Konkurrenz und Partnern ausgesetzt: Windows 8 verkauft sich schleppend und sei Schuld an  sinkenden PC Verkäufen, Windows Phone 8 sei aufgrund der Kooperation mit Nokia und hohen Lizenzkosten unattraktiv und die Xbox One präsentiert sich unvorteilhaft als ein modernes Überwachungssystem mit Internetzwang. Doch auf der Einladung zur Microsoft Build 2013,  die von gestern bis morgen stattfindet, ist von all der Kritik und den Problemen wenig zu spüren. Stattdessen präsentiert man Neuerungen von Windows 8.1, die noch nicht bekannt sind,  bringt ein Rapid Release auf den Markt, also eine frühe Version, die jeder Wagemutige testen kann und rundet das Programm mit zahlreichen weiteren Ankündigungen ab, die Hoffnung machen, dass man die massiven Umstrukturierungen tatsächlich mit Erfolg beenden könnte.

Windows 8.1 aka Windows Blue

Die meisten Funktionen sind bereits bekannt (mehr Apps, mehr Personalisierung und jede Menge Fehlerbehebung), doch trotzdem schaffte man es auf der Build 2013 die ein oder andere Stärke von Windows 8.1 zu präsentieren, die bislang noch geheimgehalten wurde. Die größte Überraschung war wohl, dass CEO Steve Ballmer mit den Worten „Rapid Release !“ eine Developer Preview, eine fast fertige Version mit einigen Fehlern (die sich aufgrund eventueller Instabilitäten aber nicht unbedingt für den Einsatz im Firmenumfeld eignet) über den Store zugänglich machte, ISO Dateien sollen ebenfalls bald erhältlich sein. Weiterhin gibt es einige Neuerungen zu bewundern, die wir Euch ebenfalls nicht vorenthalten wollen.

Den Anfang macht die Xbox Music App, mit der man unter Windows 8.1 in den Genuss von Musik Streaming kommt; dabei lässt sich natürlich nur die Musik nutzen, die in der eigenen Xbox Music Sammlung vorhanden ist. Der angekündigte Hands-Free Modus geht in Richtung Kinect, indem er via Webcam erlaubt, Gesten zu erkennen, um so eine in einigen Fällen nützlichere Bedienung anzubieten; wie sich diese Funktion in Zukunft entwickelt, ist noch nicht abzusehen.  Für Entwickler gibt es neben Bing APIs (dazu später mehr) die Möglichkeit, die Parameter eine App nun haargenau zu erfassen, sodass man den Akkuverbrauch, die Geschwindigkeit und zahllose weitere Eigenschaften direkt visualisieren kann.

Was die Hardware angeht, so will man eine Schnittstelle zur Kommunikation mit 3D Druckern mitliefern, um die DIY Community zu befriedigen und die neuen Heimfabriken stärker zu fördern. Die Bedienung ist nach wie vor einigermaßen komplex, es handelt sich jedoch um eine echte Innovation und einen Schritt in die richtige Richtung. Darüber hinaus kündigte man an, dass Windows Blue hochauflösende Tablets ab Werk unterstützen will, die Apps müssen jedoch an die hochauflösenderen Geräte durch die Entwickler angepasst werden – immerhin bleibt Windows 8 als Tablet System so auf der Höhe der Zeit.

DirectX 11.2

DirectX ist die Grafikschnittstelle von Microsoft, die in Konkurrenz zu OpenGL steht und von den meisten (kommerziellen) Spieleentwicklern genutzt wird; mit dem Update auf Version 11.2 will Microsoft Windows 8 auch für Spieler attraktiver machen, obwohl sich die Verbesserungen in Grenzen halten.  Im Vordergrund steht die Verbesserung von Funktionen im Kern, man will das ziemlich aufgeblähte Framework entschlacken, damit es effizienter und schneller arbeiten kann: Spiele, die dadurch auf höhere Frameraten gebracht werden, müssen entweder von den Herstellern überarbeitet werden, brauchen angepasste Treiber oder gar entsprechende Hardwareunterstützung (dies ist aber bei jeder Versionsänderung von DirectX der Fall).

Maßnahmen, um dies zu erreichen sind zum Beispiel die Unterstützung von Hardware Overlays (man kann unabhängig voneinander berechnete Ebenen übereinanderlegen, während man etwas das eigentliche rechenintensive Spielgeschehen viele Male pro Sekunde aktualisieren muss, kann man die Benutzeroberfläche mit einem geringeren Intervall neu zeichnen lassen, da sich diese deutlich seltener verändert), das HLSL Shader Linking (Shader werden vorher kompiliert und müssen nur noch gewechselt werden, was die Ladezeiten solcher um den Faktor 8 beschleunigen soll), die Direct3D Low-Latency Presentation API (die Verzögerung zwischen dem Rendern und dem Zeichnen verkürzt sich von 40 Millisekunden um die etwa die Hälfte auf rund 16 Millisekunden, was insbesondere für sehr direkt reagierende Spiele, die man via Touchscreen steuert, einen Vorteil bietet) oder die Tiled Ressources (man optimiert das Laden von Texturen und Co., indem nur die den Speicher belegen, die gerade auch wirklich benötigt werden).  Alles in allem für Spieler also nur eine Evolution und keine Revolution, aber insbesondere für leistungsschwächere Computer und Tablets eine nicht zu verachtende Weiterentwicklung, wenn die Gewinne wirklich so groß sind, wie von Microsoft dargestellt.

Internet Explorer 11

Der Internet Explorer genießt unter den Browsern einen (mittlerweile zu Unrecht) schlechten Ruf, da er früher nicht nur besonders langsam und unsicher war, sondern viele Technologien ignorierte und Websites trotz Codes, der den Richtlinien entsprach, anders darstellte. Ungefähr seit der Version 9 gehören derartige Probleme der Vergangenheit an und es gibt nur noch wenige Punkte, in denen man sich vor Chrome oder Firefox verstecken müsste. Man hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, unter Windows 8.1 den nach eigenen Aussagen besten Browser der Welt zu schaffen. Die ersten Fakten zeigen, dass dies ein schwer erreichbares, aber kein unmögliches Ziel ist.

Eine Baustelle ist die Geschwindigkeit, die Königsdisziplin von Googles Browser Chrome, hier will man durch die Unterstützung von WebGL (einer Grafiktechnologie), auf die viele intensivere Websites und Webanwendungen setzen, punkten. Damit Entwickler keinen schädlichen Code einschleusen können, wird WebGL Code vorab auf bestimmte Angriffsmuster überprüft, auf die man im entsprechenden Fall hingewiesen wird. Andere Funktionen, die bereits bei der Konkurrenz zum Standard gehören, sind: das Prefetching und Prerendering (bestimmte Links werden schon vorab geladen und gerendert, sodass der Nutzer, etwa bei einem mehrseitigen Artikel, bei dem es wahrscheinlich ist, dass man auch die anderen Seiten liest, lediglich eine minimale Verzögerung spürt) und das Priorisieren von Ressourcen (etwa könnte man Schriftarten und wichtiger Bilder so in einer festen Reihenfolge eher laden, als Bilder, die erst nach langem Scrollen im untersten Bereich einer Seite angezeigt werden), eine Funktion, die der Internet Explorer 11 als erster Browser beherrscht.

Ein anderer wichtiger Schritt erfolgt im Rahmen der Tatsache, dass Windows 8.1 auch für Tablets werden soll (aus Microsofts Sicht wohl eher muss); da das Surfen im Internet eines der wichtigsten Anwendungsgebiete für die schlanken Computer ist, klingt es logisch dort anzusetzen.  Die Optimierung zeigt sich zu Anfang darin, dass durch die Performance Verbesserungen direkter auf Eingaben reagiert werden soll und dass durch effizienteres Ausnutzen von Ressourcen der Akku geschont wird. Bezüglich der Benutzeroberfläche setzt man stärker auf Autovervollständigung, findet unten eine Leiste mit den beliebtesten bzw. für einen selbst wichtigsten Websites, die sich so bequem erreichen lassen und man will in Zukunft auch mehrere Internet Explorer 11 Fenster nebeneinander erlauben. Bei der vorherigen Version (als Metro App) wurde die Anzahl an maximal geöffneten Tabs für das Tablet kritisiert, diese wird nun auf 100 erhöht und man kann in den Einstellungen festlegen, dass die Leiste mit den Tabs immer angezeigt werden soll. Weitere Änderungen sind eine bessere Erkennung von Formularfeldern, die Tatsache, dass man Telefonnummern direkt aus dem Browser anrufen kann,  die Unterstützung von Drag and Drop sowie von Bewegungen des Gerätes (über den Beschleunigungssensor) und schließlich die übersichtlichere Organisation von Lesezeichen.

Abgesehen davon bemüht man sich, Standards und Videos (leider auch mit Kopierschutz) in Zukunft besser zu unterstützen und überarbeitet die Entwicklertools, die für Webdesigner interessant sind, und in Zukunft in einer Liga mit denen der Konkurrenz sein sollen. Alles in allem scheint Microsoft bei der neuen Browsergeneration ganze Arbeitet geleistet zu haben, in allen Bereichen (obwohl Aussagen über die Performance in Benchmarks mit Vorsicht zu genießen sind). Etwas Konkurrenz im Browsergeschäft täte jedenfalls gut und wenn der IE gut ist, kommen auch Leute, die zu faul oder zu wenig versiert sind, um ihren Browser zu wechseln, in den Genuss eines gut funktionierenden Internets.

Die Windows Phone 8 Offensive

Von dem nächsten Update oder neuen High-End Geräten aus dem Hause Nokia war auf der Microsoft Build 2013 leider nichts zu sehen, soviel darf vorab verraten werden. Jedoch hat man neben einem neuen Windows Phone Gerät auch eine Zusammenarbeit verkündet, von der in Zukunft einiges abhängen könnte.  Zunächst zu dem neuen Gerät: das HTC 8XT soll beim amerikanischen Mobilfunkanbieter Sprint erscheinen und wird ähnliche Spezifikationen wie das Android Flaggschiff, das HTC One besitzen. In dem wertig verarbeiteten Plastik warten ein Stereo Lautsprecher (ein wesentliches Merkmal des One), ein schneller Snapdragon 400 Prozessor, 1 GB Arbeitsspeicher und eine 8 MP Rück-, sowie eine 1,6 MP Frontkamera. Abgerundet wird das ganze durch ein 4,3 Zoll großes WVGA Display und einen 1800 mAh starken Akku; kein High-End Gerät, aber für Windows Phone definitiv Speerspitze. Sprint zeigte auch das Samsung ATIV S Neo, zu dem jedoch keine weiteren Informationen vorliegen. Schaden kann es nicht, denn die Dominanz von Nokia bremst die Verbreitung aus (obwohl es sich um sehr gute Geräte handelt) und so ist jedes WP8 Gerät sehr willkommen.

Die große Kooperation ist die zwischen Microsoft und dem Mobilfunkprovider Telefonica, hierzulande O2 und fünftgrößter Anbieter weltweit, welcher durch einen Marketing-Deal die Windows Phone Geräte stärker bewerben will, um sie insbesondere in Europa und Südamerika stärker zu fördern.  Interessant ist auch, dass Telefonica die Xbox, Windows 8 und Dienste wie MS Office oder Sharepoint sowohl Privat- als auch Geschäftskunden zu besseren Konditionen anbieten will. Dies ist für Windows Phone 8 ein großer Triumph, denn das System ist nicht viel schlechter als die Konkurrenz, es fehlt jedoch massiv an der richtigen Vermarktungsstrategie.

Was es sonst noch gab

Die weiteren Meldungen der zwei spannendsten Tage Microsoft Build beziehen sich auf die oben genannten Bing APIs und auf Kinect. Letzteres soll schon ab dem 31. Juli in einer Developer Edition an Entwickler verschickt werden, um ein Angebot an innovativen Inhalten zum Xbox One Start zu gewährleisten. Nach einer Bewerbung darf man das Kit unter Umständen für 400€ erwerben, erhält dann die nötigen SDKs und APIs, eine Alpha Version des Kinect Sensors, die spätere finale Version, sowie exklusiven Support, zum Beispiel durch private Foren, die Microsoft einrichten lässt.

Was die Bing-APIs angeht, so erhalten Entwickler damit für ihre Apps und Programme Zugriff auf die bekannten Bing Dienste, die Microsoft vorantreibt, um Googles Dominanz im Suchmaschinengewerbe langfristig zu brechen (mit bisher mäßigem Erfolg). Die Entwickler binden nur ein Control ein, die hochkomplexen Berechnungen laufen auf den Servern des Unternehmens (das von den Daten natürlich profitiert); Entwickler haben Zugriff auf: ein OCR Control zum Scannen und Verarbeiten von Text in undigitalisierter Form oder zum Erkennen von Text in Bildern,  ein Bing Translator Control für Übersetzungen in 40 Sprachen und ein Bing Speech Control für eine natürliche Spracherkennung, die in beide Richtungen, also für Sprachein- und -ausgabe (letztere in 16 Sprachen) funktioniert. Microsoft hat bereits einige Artikel verfasst, die Schildern, wie genau sich die Controls nutzen lassen.

Fazit

Microsoft hat ambitionierte Ziele und gewaltige Baustellen in allen Bereichen, auf der Build sah man dieses Jahr wenige Fakten und viele Versprechungen, die Microsoft aber durchaus halten könnte, wenn man es richtig anstellt. Windows 8.1 wird viele Nutzer mit der neuen Version versöhnen, die Windows Phone Maßnahmen setzen auch am richtigen Ende an und der neue Internet Explorer 11 scheint ebenfalls groß zu werden. Die Bing APIs und die neue DirectX Version sind da eher Kleinigkeiten, die durchaus größer ausfallen dürften, doch das ist angesichts der Wichtigkeit von Windows und Windows Phone verständlich. Es bleibt jedenfalls spannend und es ist Microsoft zugute zu halten, dass man sich nun verstärkt um Innovation bemühen möchte.

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