Telekom will DSL-Drosslung durchsetzen – Gefährden die Volumentarife die Netzneutralität ?

telekom-will-dsl-drosslung-durchsetzen-gefahrden-die-volumentarife-die-netzneutralitatAm 22. April gab die Telekom eine Pressemeldung, deren Folgen noch nicht abzusehen sind: man verkündete, dass jede Flatrate ab sofort zu einem Volumentarif wird und die zugesicherte Bandbreite teilweise schon ab einem verbrauchten Volumen von 75 GB drastisch reduziert wird. Die Telekom Drosslung reduziert Up- und Download dann auf 384 KBit / Sekunde, was man bei dem Konzern liebevoll als DSL Light bezeichnet. Ab dem 2. Mai soll die Regelung für alle Neukunden in Kraft treten (und dass obwohl der Telekom Chef verkündete, eine solche Maßnahme sei bis voraussichtlich 2016 nicht durchzusetzen), Bestandskunden sind zunächst zwar ausgenommen, in den VDSL Verträgen war jedoch von Anfang an eine Klausel vorhanden, die mögliche Drosselungen in der Zukunft legitimiert.

Je nachdem, welches Paket man bucht, hat man eine variable Menge an Volumen mit voller Geschwindigkeit:

  • Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 16 Mbit/s: Drosslung ab 75 GByte
  • Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 50 Mbit/s:  Drosslung ab 200 GByte
  • Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 100 Mbit/s: Drosslung ab 300 GByte
  • Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 200 Mbit/s:  Drosslung ab 400 GByte

Gefährdung der Netzneutralität befürchtet

Dieses Geschäftsmodell schlägt sowohl in der Fachpresse als auch auf sozialen Netzwerken sehr große Wellen und es bleibt abzuwarten, ob sich der Provider dem Druck der Öffentlichkeit beugt und die Entwürfe boykottiert. Um die Netzneutralität und langfristig auch die Freiheit des Internets nicht zu gefährden, wird derzeit von vielen Stellen davon abgeraten, einen Vertrag bei der Telekom abzuschließen.

Gegen die Netzneutralität, also die gleiche Gewichtung aller übertragenen Daten verstoßen die Pläne, dass man den über das Entertain IPTV Paket erzeugten Traffic von der Drosselung ausnimmt, genauso wie WLAN to Go und Internettelefonie. Die Kunden der Telekom werden also in der Wahl eines IPTV Anbieters in Zukunft massiv eingeschränkt und es bleibt abzuwarten, wie Maxdome oder Amazon (bzw. deren Tochter Lovefilm.de) auf dieses Verhalten eingehen.

Ein Entgegenkommen scheint der Anbieter bereits darin zu sehen, dass man für eine zusätzliche Gebühr die Drosselung aufheben kann, was Mehrverbraucher benachteiligt.  Aus diesem Verhalten heraus hat sich eine Welle der Aggression von Kunden gebildet, die nun gegen solche Mehrverbraucher wettern, statt den tatsächlichen Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Petitionen und Politik gegen die Telekom

Wie gewaltig der Widerstand ist, zeigen mehrere aktuelle Beispiele. So warnt die derzeitige Regierung davor, dass man die Flatrate Tarife auf diese Art einschränkt; in diesem Zusammenhang hat auch die SPD Klage erhoben, um die Netzneutralität zu sichern, und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner brachte ihren Unmut hinsichtlich der gravierenden Änderungen ebenfalls zum Ausdruck.  Gleichzeitig meldete sich mit Viprinet ein Hersteller von Routern zu Wort, der die Rechtfertigung der Telekom für die Volumentarife, dass Backbones überlastet seien, entschieden zurückweist, dazu heißt es offiziell: „Die Begründung, dass die Drosselung eingeführt werde, damit die Backbones nicht überlastet werden, ist unglaublich. In Deutschland gibt es gigantische Backbone-Überkapazitäten. Bei einem DSL-Zugang macht das in der Gesamtkalkulation des Providers nur Cent-Beträge aus.“ Zuletzt ist noch auf die Change.org Petition einzugehen, die der 18-jährige Malte Götz ins Leben gerufen hat und die bereits in den ersten drei Tagen mehr als 10.000 Unterschriften für sich gewinnen konnte.

Langfristig gesehen bleibt zu hoffen, dass die Telekom von diesem Geschäftsmodell wieder Abstand nimmt und sich ebenfalls für ein freies und neutrales Internet einsetzt. Dass ein solches Angebot nicht im Sinne der Verbraucher liegen kann, sollte klar sein, zumal 75 GB selbst bei moderater Nutzung keine große Zahl ist.

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