MEGA – Neuer Filesharing Dienst mit mehr als einer Millionen Nutzern in 24 Stunden

Die Filesharing Plattform Megaupload wurde letztes Jahr wegen massiver Urheberrechtsverletzung geschlossen und der Betreiber Kim Dotcom steht, nachdem schwer bewaffnete Einheiten in sein Haus eindrangen, nach wie vor unter Hausarrest, bis es zu einer Verhandlung kommt. Aktuell hat Kim Dotcom jedoch andere Pläne: das neue Portal MEGA, das er als Revolution im Filesharing Sektor bezeichnet hatte, konnte innerhalb von 24 Stunden mehr als eine Millionen Anmeldungen verzeichnen. Obwohl der Begründer sein Ziel damit erreicht zu haben scheint, könnten weitere Konsequenzen drohen.

Bei der Präsentation seines neuen Dienstes vor rund 250 Journalisten am vergangenen Sonntag ließ sich der gebürtige Kieler nicht lumpen: leicht bekleidete Frauen in Militäruniformen, Maori-Tänzer und lärmende Musik sorgen für die richtige Stimmung. Mit seinem Auftritt am Anfang wollte der MEGA Gründer an die Razzia erinnern, bei der nicht nur jede Menge Geld, Bankkonten und Luxusartikel beschlagnahmt, und mehrere Menschen unter anderem wegen Geldwäsche und Urheberrechtsverletzung verhaftet wurden, sondern auch der Dienst abgeschaltet wurde, der angeblich 4% des gesamten Datenvolumens weltweit ausgemacht hatte, Megaupload.

Nicht mehr als Filesharing Dienst, sondern als Cloud Speicher und als „Privacy Company“, einer Vereinigung also, die sich für die Privatsphäre im Netz einsetzt, wird MEGA beworben, um nicht mehr mit unseriösen Machenschaften und Diensten in Zusammenhang gebracht zu werden.  Kim Dotcom, der sich selbst als Opfer eines kaputten System und die Bereitstellung des neuen Dienstes als Wohltat für die Gesellschaft ansieht, will fortan renommierten Anbietern wie Dropbox, Microsoft Skydrive oder Amazon Konkurrenz machen.

Das Bedienkonzept ist sehr einfach gehalten: Daten werden per Drag & Drop in die Cloud verschoben, man kann sie auf Wunsch in Ordnern organisieren. Soweit macht der Nachfolger von Megaupload nichts anders als die Konkurrenz, wenn man von der Tatsache absieht, dass sämtliche Daten über einen Key verschlüsselt werden, um sie angeblich vor Übergriffen zu sichern. In der Realität schützt dies jedoch nur die Geschäftsführer, da sie wegen der Verschlüssung nicht wissen können, ob eine Urheberrechtsverletzung durch die hochgeladenen Daten vorliegt; ist ein Link zu einer Datei erst im Netz verbreitet, können ihn auch die Rechteinhaber nutzen. Die weiteren Funktionen entsprechen dem Standard und sind nicht erwähnenswert, obwohl die aufgeräumte Benutzeroberfläche gut gefällt.

Ärgerlich sind neben den Fehlern in puncto Datenschutz (siehe unten) auch die Versäumnisse bei der Programmierung von MEGA. Der Dienst kann nur mit dem Browser Chrome genutzt werden, der unglaublich große Ansturm überlastet die Server, weswegen die Software am Sonntag überhaupt nicht von Deutschland aus zugänglich war, Apps für Smartphones und Tablets stehen nicht bereit, wobei der Filehoster hier immerhin die benötigten Werkzeuge bereitstellt, mit denen Entwickler ihre eigenen Lösungen entwerfen können.

Interessant im Vergleich zur Konkurrenz sind die 50 GB freier Speicher, die jeder angemeldete Benutzer erhält. Darüber hinaus stehen drei Pro Versionen (10€/500 GB Speicher/ 1 TB Transfer, 20€ / 2 TB Speicher / 4 TB Transfer, 30 / 4 TB Speicher/ 8 TB Transfer), die aktuell noch keine weiteren Vorteile zu bieten scheinen.

Während die Unterhaltungsindustrie erwartungsgemäß skeptisch reagiert, sind einige Nutzer sehr euphorisch (Anonymous lobte z.B. die Verschlüsselung und dass keiner der Server in den USA stünde), wohingegen die illegale Filesharing Szene nicht sehr überzeugt von MEGA ist. Nicht nur, dass man sich verpflichtet, keine Urheberrechtsverletzung zu begehen, der Anbieter will zwielichtige Inhalte löschen und speichert Daten wie die IP Adresse, Daten über den Traffic und „Kommunikations-Logs“, weshalb sie von Datenschützern kritisiert wird. Unklar ist momentan auch noch, wie sich die limitierte Bandbreite auswirkt ? Wenn sie den Uploader betrifft, könnte eine Datei mit 10 GB bei dem kostenlosen Account nur 10-mal heruntergeladen werden, ehe das Volumen erreicht wäre. Alte Megaupload Nutzer prangern außerdem an, dass man für eine bestimmte Zahl an Downloads keine Entlohnung mehr erhält.

Interessanterweise plant Kim Dotcom weitere Dienste, etwa Megabox, einen Musikdient, mit dem man neue Wege gehen und die Musikverwertungsgesellschaften übergehen werde, oder Megamovie, eine aktuell noch sehr vage Videoplattform.

Es lässt sich zusammenfassend sagen, dass Kim Dotcom zwar ein Mann der großen Worte ist, hinter seinen Versprechungen aber nicht viel Wahres steckt. MEGA muss viele Funktionen nachrüsten, um mit der Konkurrenz mitzuhalten, das neue Saubermann Image ist äußerst fragwürdig und viele Nutzer wollen den Dienst nicht. Der wichtigste Aspekt ist aber, dass MEGA die Verantwortung, die es zu tragen hätte, einfach auf die Nutzer abwälzt und so scheinheilig eine Anonymität und Sicherheit suggeriert, die nicht gegeben ist. Eine Millionen Nutzer innerhalb von 24 Stunden zu generieren, ist aber dennoch beachtlich.

 

Tags: , , , , , ,

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*

*