Tizen, Ubuntu, Firefox OS und Co. – Neue mobile Betriebssysteme wollen iOS und Android entthronen

Im mobilen Sektor konnten sich Android OS und iOS als marktführende Betriebssysteme durchsetzen; andere Plattformen haben entweder so geringe Nutzerzahlen, dass sie irrelevant geworden sind, oder haben den Kampf im Tablet und Smartphone Bereich verloren, sodass sie vollständig aufgegeben haben. Die Liste derer, die sich nicht durchsetzen konnten, ist lang: Symbian, das zu veraltet war und zu spät modernisiert werden sollte, Windows Mobile, bei dem es ähnliche Gründe gab, Bada von Samsung oder Homebrew von HTC, bei denen es zu wenig Geräte und Entwickler für Anwendungen gegeben hatte, oder MeeGo, dass durch eine Reihe von Fehlentscheidungen und in Ermangelung moderner Hardware in die Bedeutungslosigkeit gedrängt wurde. Umso erstaunlicher, dass sich zahlreiche neue mobile Betriebssysteme in der Entwicklung befinden oder schon auf dem Markt befinden, um die Giganten vom Thron zu stoßen.

Die Gründe für Eigenentwicklungen sind vielfältig: mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten durch die Hardwarehersteller, weniger Abhängigkeit, das Erschließen neuer, offensichtlich profitabler, Märkte oder auch das Anbieten von innovatenFunktionen bzw. neuen Ansätzen, die bei Android und iOS nicht geboten werden. Außerdem steigt der Smartphone Markt immer weiter, sodass findige Entwickler scheinbar glauben, dass die Chancen für neue Betriebssystem momentan besonders gut stehen.

Die beiden größten Kontrahenten sind RIM und Microsoft. Mit Windows Phone wurde der Nachfolger des veralteten Windows Mobile präsentiert und steht mittlerweile in Version 8 zur Verfügung; trotz der geringen Marktanteile wird das Betriebssystem sehr positiv wahrgenommen, es gibt diverse Hersteller, die Produkte anbieten, welche ebenfalls gut aufgenommen werden (z.B. das Nokia Lumia 920 oder das HTC One X). Mit Windows Phone ist Microsoft einer der wenigen Anbieter, die sich langfristig etablieren könnten, da der Konzern bereits ein eigenes Ökosystem aus Diensten anbietet und die Geräte perfekt mit Windows, dem am weitesten verbreiteten Desktop Betiebssystem, zusammenarbeiten sollen. Fluch und Segen kann das, wie bei Apples iOS, geschlossene System sein, dass Änderungen an der Software einschränkt, Hardwarevorgaben stellt und das Einreichen von Apps in den Store verhindert. Durch die aktuelle Werbung scheinen die Chancen gegeben, mehr Marktanteile zu bekommen.

RIM ist, wie angesprochen, ein weiterer großer Konkurrent und steckt aktuell in der Entwicklung von Blackberry OS 10, das bislang vor allem durch zahlreiche Verschiebungen auf sich aufmerksam gemacht hat. Da RIM in vielen Ländern noch immer für Business Funktionalität, Sicherheit und gute Geräte steht, hat der Hersteller aus Kanada aktuell noch die Chance, sich zu beweisen. Bisherige Smartphones scheinen aktuelle Technologie zu bieten und das, was man bislang vom System sehen durfte, sieht sehr modern und frisch aus. So soll man zum Beispiel von jedem Punkt im System sehr unkompliziert zu jedem anderen Punkt navigieren können und dabei quasi durch die Menüs „schwimmen“. Auch wenn die Chancen noch relativ gut sind, schwinden mit jeder Woche, die es nicht erscheint, auch die Chancen von Blackberry OS und das Vertrauen in die Marke.

Einen anderen Ansatz geht das schon im Anfang angesprochene WebOS, das durch HP und dessen Marke Palm sehr viel Zuspruch fand, obwohl es sich langfristig nicht durchsetzen konnte. Durch die Freigabe des Quellcodes an die Community soll es derzeit verbessert und für weitere Geräte freigegeben werden. Ob das gelingt, ist aktuell nicht abzusehen, zumal die WebOS Community hochwertige Entwickler bieten mag, die aber kaum Erfahrungen und  genügend Kapital besitzen, um eine Hardware Produktion und eine erfolgsversprechende Vermarktung umzusetzen.

Ubuntu, das vor allem als bekannteste bzw. beliebteste Linux Distribution bekannt ist, kann ebenfalls durch seinen Namen Vorschusslorbeeren abgreifen.  Da dieses mobile Betriebssystem komplett frei ist,  für viele Smartphones verfügbar gemacht werden soll und man auf langjährige Erfahrung im Bereich von Betriebssystemen zurückblicken kann, wäre es durchaus möglich, dass sich Ubuntu eine kleine Zielgruppe erschließt. Problematisch könnten die bislang fehlenden Hardware Partner und die Gefahr, dass man zu viel vom Desktop gewohntes eins zu eins auf die mobilen Geräte transportieren möchte, werden.

Was Tizen und Firefox OS angeht, so haben es diese Plattformen besonders schwer, da sie vollkommen neu auf den Markt kommen. Tizen soll eine von Samsung entwickelte Plattform werden, die am erfolgsversprechendsten ist, da Samsung sich besonders auf das niedrige Preissegment konzentrieren könnte, bereits eine Zahl von Anwendungsentwicklern und Hardwarepartnern für sich gewinnen könnte und man als umsatzstärkster Smartphonehersteller der Welt durchaus das Kapital und den Kundenstamm hat, um eine eigene Plattform zu etablieren. Fraglich ist in diesem Zusammenhang, wie Google reagieren würde, fiele ein so wichtiger Android Partner weg. Firefox OS von Mozilla dürfte vor allem mit dem Browser Firefox assoziiert werden und soll sich vor allem an das Einsteigersegment wenden. Man will ein gänzlich freies, sehr logisch und einfach aufgebautes System etablieren, das auf möglichst jeder Hardware funktionieren soll, konnte bis jetzt aber noch nichts präsentieren, was man als Alleinstellungsmerkmal ansehen kann. Gemeinsam haben beide Systeme den Aufbau auf den neuen Webtechnologien, allen voran HTML5, durch die man mit Webanwendungen besonders viele Entwickler begeistern möchte. Das Problem ist, dass HTML5 Anwendungen dann auch auf jedem anderen Smartphone aufgerufen werden könnten, dies also nicht unbedingt für die Plattformen spricht.

Da keiner der Hersteller, außer RIM und Microsoft, ein Ökosystem besitzt, durch das man die Hardware erst nützlich machen kann, sieht es momentan eher schlecht für die Neueinsteiger aus. Insbesondere Firefox OS wird es sehr schwer haben und sich vermutlich nach wenigen Monaten bzw. Jahren in einer Notsituation befinden, aus der der einzige Ausweg das Abschaffen des Betriebssystems sein wird. Ob eines der Systeme die Konkurrenz ablösen kann, bleibt fraglich, der sichtliche Innovationshunger der Branche und der Anwender, sowie die Marktanteile, die sich auf die Konkurrenz aufteilen werden, könnte aber zumindest ein Umdenken und neue Funktionen zu Tage fördern.

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2 Responses

  1. Schade, dass der Artikel so oberflächlich ist, und wesentliche Bestandteile von z.B. Firefox OS aus Acht lässt.

    HTML5 Anwendungen laufen zwar auch auf anderen Systemen, aber mit einer komplett unterschiedlichen Performance. Bei Android liegen viele SW Layer zwischen HTML5 und der GPU, während bei Firefox OS eine direkte Verbindung zu WebGL besteht. Dadurch wird Firefox OS zu einer natürlichen Plattform für HTML5 basierten WebApps.

    • Das stimmt selbstverständlich und es soll nicht so erscheinen, dass Firefox OS von vornherein schlechter als die anderen Betriebssysteme wäre.
      In diesem Artikel konnte nur nicht so tief in die Materie eingestiegen werden; so viele Betriebssysteme genaustens zu analysieren und alle Funktionen zu vergleichen sprengt die Kapazität dieses Blogs um ein Vielfaches.

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