Facebook Social Graph – soziales Netzwerk mit neuer Suchmaschine

Am letzten Dienstag, den 15. Januar, hatte Facebook in das eigene Hauptquartier geladen, um der Fachpresse etwas neuartiges vorzustellen. Neben dem Facebook Handy, das schon seit längerer Zeit immer wieder Gesprächsthema ist und angeblich von HTC gefertigt werden soll, war auch ein überarbeiteter Facebook Messenger für das iPad im Gespräch, der nicht nur mit allen aktuellen Funktionen aufwarten solle, sondern die Informationen des sozialen Netzwerkes auch optisch ansprechend für das Tablet aufbereite. Obwohl sich so eine Anwendung laut internen Kreisen kurz vor der Fertigstellung befindet, präsentierte man etwas anderes: den Social Graph, eine eigene Suchmaschine, die Facebook in Zukunft verbessern soll, vor allem aber noch mehr Nutzer dazu verleiten wird, sich anzumelden und mehr Zeit auf der Website zu verbringen.

Mark Zuckerberg, der Chef des Unternehmens, gab bekannt, dass man die neue Funktion nutzen werde, um es den Mitgliedern zu erleichtern, andere Personen zu finden, die zu den eigenen Interessen passen. Alle öffentlich verfügbaren Informationen fließen in den Social Graph ein, der neben Text auch Fotos, Personen und Orte miteinbezieht und die Ergebnisse anders aufbereitet, als man es von klassischen Suchmaschinen gewohnt ist. Laut Zuckerberg sei es nicht die Intention des Social Graphs, eine Auflistung von Links anzubieten, die unter Umständen zur Beantwortung der Suchfrage führen, sondern die Antworten direkt zu präsentieren.

Aktuell ist der Social Graph in den USA in einer Testphase, wird also vermutlich noch verbessert und von Fehlern befreit, bevor er der Nutzerschaft des sozialen Netzwerk zur Verfügung gestellt wird. Wer nicht mehr abwarten kann, der kann sich auf der Hauptseite als Betatester für die Suchmaschine anmelden und darf sie unter Umständen vor allen anderen testen.  Entwickelt wurde der Social Graph von einem ehemaligen Google Mitarbeiter, der sich auch für Wave und Google Maps verantwortlich zeigt, und von Zuckerberg persönlich gebeten wurde, zur Verbesserung der Website beizutragen.

Interessanterweise leitet Facebook die Anfragen, die mit der Suchfunktionen zu keinem Ergebnis führen, an die Suchmaschine Bing von Microsoft und nicht an Google weiter, was eventuell zu einem Anstieg der Nutzung führen könnte. Der Grund sei laut Mark Zuckerberg gewesen, dass Microsoft im Gegensatz zu Google dazu bereit war, Bing für Facebook anzupassen. Der plausiblere Grund ist aber, dass Microsoft und Facebook seit einiger Zeit eine Partnerschaft unterhalten, der Bing Betreiber 1,6 Prozent des sozialen Netzwerkes hält und dass man Facebook Inhalte bei Bing miteinfließen lässt.

Bis man alle Daten (1 Milliarde Nutzer, 240 Millionen Fotos, 1 Billionen Verknüpfungen unter den Inhalten, Tendenz steigend) indexiert habe, werde es Jahre dauern, so der Facebook Gründer; man beginne deshalb mit englischsprachigen Inhalten, da diese Sprache 40% der Nutzer sprechen.  Wenn der Social Graph aber ersteinmal fertig ist, soll er Informationen besser miteinander verknüpfen können, als jede andere Suchmaschine auf dem Markt.  Wie die Suche funktioniert, lässt sich an diesem Beispiel erläutern: ein Nutzer sucht nach „Freunde in Berlin, die gerne ins Theater gehen“ und erhält daraufhin eine Auflistung aller Bekannten zurück, die in der Nähe von Berlin leben und zu deren Interessen ein Theaterbesuch zählt. Höher gewertet werden dabei Freunde, mit denen man besser vernetzt ist, als mit den anderen.

Nein, es war also kein Facebook Handy, das an dem wichtigen Termin vorgeführt wurde, sondern eine Suchmaschine. Ein sehr überraschender und doch erfolgsversprechender Schritt angesichts der Tatsache, dass Facebook nun endlich eine Verwendung für all die gesammelten Daten hat, die abseits der Werbung liegt, und es Leuten viel einfacher macht,  Personen zu finden, die zum Beispiel die gleichen Interessen haben. Interessant wäre zu wissen, wie Google zu dem Thema steht, doch eine Erklärung blieb man uns bislang schuldig. Wenn der Social Graph richtig integriert wird, könnte er zu einem elementaren Bestandteil von Facebook werden.

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