Megaupload abgeschaltet: Deutscher Betreiber Kim Schmitz verhaftet

Handschellen Gerade jetzt, wo durch den umstrittenen amerikanischen Gesetzentwurf SOPA der Blick der Internet-Gemeinde auf das Thema Urheberrechtsverletzungen gerichtet ist, landen die US-Behörden einen schwergewichtigen Treffer: Die Filesharing-Plattform Megaupload wurde geschlossen, die Betreiber verhaftet.

Bisher traf es nur eher kleinere Plattformen wie beispielsweise kino.to, deren Schließung zwar Konsequenzen für die Betreiber nach sich zog, am eigentlichen Problem der Urheberrechtsverletzung nichts änderte, weil sofort neue Portale mit ähnlichem Ziel entstanden.

Die Schließung von Megaupload hat aber schon eine andere Größenordnung:  150 Millionen registrierte Nutzer, 50 Millionen tägliche Aufrufe der Plattform, 175 Millionen Dollar Einnahmen mit illegalen Angeboten: „Dies ist eine der größten kriminellen Urheberrechtsanklagen, die in den USA je erhoben worden ist“, teilte das US-Justizministerium mit.

Dass auf Megaupload kostenlos Daten von Nutzern hoch- und runtergeladen werden können, ist nicht strafbar, vorgeworfen wird den Betreibern jedoch, dass sie die Tauschbörse ausdrücklich für urheberrechtlich geschützte Inhalte wie Filme und Musikstücke eingerichtet habe, das Hochladen besonders populärer –geschützter – Inhalte sei sogar belohnt worden.

Die Betreiber wurden auf Ersuchen der US-Behörden von der neuseeländischen Polizei festgenommen. Es handelt sich um drei Deutsche und einen Niederländer, die von einem Anwesen in Neuseeland aus die Belange von Megaupload steuerten. Als „Kopf“ wird der 37jährige Kim Schmitz bezeichnet, der bereits zu Zeiten der New Economy in den 90er Jahren von sich reden machte. Nach dem Aus der damaligen prallen Internetblase war es allerdings auch für ihn zunächst vorbei mit den ausschweifenden Partys – er wurde 2002 wegen verbotenen Insiderhandels zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Weniger öffentlichkeitswirksam als früher, aber dafür finanziell überaus erfolgreich war Schmitz, der seinen Namen in „Kim Dotcom“ änderte, mit der Filesharing-Plattform Megaupload, der Schwester-Seite Megavideo und Vestor Limited. Nachdem das FBI in Zusammenarbeit mit ähnlichen Behörden anderer Länder, darunter auch das deutsche BKA, ausführlich  gegen die Betreiber der Sharingportale ermittelt hatten, kam es nun zu rund 20 Hausdurchsuchungen in acht Ländern. Beschlagnahmt wurden dabei u.a. Bargeld im Wert von 50 Millionen Dollar, reichlich Server und auch Domains.

Schmitz und seine Mitarbeiter dürften in den USA langjährige Haftstrafen erwarten. Außer Verstößen gegen das Urheberrecht werden ihnen nämlich noch Verschwörung zu organisierter Kriminalität und Geldwäsche zur Last gelegt.

Aus Protest gegen das Abschalten von Megaupload sollen Mitglieder der Hackergruppe Anonymous  die FBI-Webseite, das Justizministerium  justice.gov  und einige Seiten der amerikanischen Musik- und Filmindustrie in einer nächtlichen Aktion per DDOS-Attacke lahmgelegt haben. Eine entsprechende Mitteilung war im Namen von Anonymous per Twitter veröffentlicht worden.

Bildquelle: aboutpixel.de / Zum Verschließen! © Uwe Dreßler

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