Die sozialen Netzwerke als Spion – es wird immer schlimmer

Früher hieß es ja „Big Brother is watching you“, aber bei dem, was heute bei den sozialen Netzwerken abgeht, wird sogar der berühmte Big Brother mit Sicherheit ganz schnell blass.

Wir alle kennen es, man surft im Internet und sieht eigentlich nur, was sich direkt auf dem Bildschirm abspielt. Das ganze rege Treiben, das im Hintergrund passiert, bekommt man ja gar nicht mit. Und es ist so einiges, was dort passiert. Es ist schon lange üblich, dass Seitenbetreiber die Besucher mittels sogenannter Web-Wanzen ausspionieren. Die nächste Dimension erreicht man allerdings mit den sogenannten Social-Plug-ins, wie beispielsweise der „Gefällt-mir“-Button von Facebook eins ist.

Diese Schaltflächen sind nicht nur dafür da, dass sich die Nutzer von Twitter, Facebook oder auch Google+ darüber austauschen, gleichzeitig ist es auch so, dass diese Buttons auch die Besucher regelrecht durchleuchten und dann auch gleich die Nutzerprofile an alle sozialen Netzwerke weiterleiten.

Gegen diese ganz neue Art von Web-Wanzen laufen immer mehr die Datenschützer Sturm. Allen voran stürmt hier Thilo Weichert, der Landesdatenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein. Seiner Meinung nach ist dies ein absolut klarer Verstoß gegen das Datenschutzrecht in Deutschland.

Die heute üblichen Web-Wanzen arbeiten alle recht unsichtbar, und sie verbergen sich oft als kleine Webseiten-Elemente oder auch in kleinen Bildern. Die Schnüffler sammeln hier recht persönliche Daten, beispielsweise welchen Browser man eigentlich nutzt, die Bildschirmauflösung oder auch welche Zusatzprogramme eigentlich installiert sind und genutzt werden. Natürlich gibt es hier auch noch so einiges mehr.

Mit Hilfe dieser riesigen Menge an Daten kann man einen digitalen Fingerabdruck erstellen, und darüber kann man den Surfer ganz einfach identifizieren. Es gibt mittlerweile schon einige hundert dieser Datenschnüffler im Internet. Die Informationen erhalten die Seitenbetreiber oder auch Marktforscher.

Bisher wurde diese Praktik recht zähneknirschend akzeptiert, aber mittlerweile reicht es den Datenschützern. Immer mehr Seitenbetreiber greifen auch immer öfter zu diesen ganzen Plug-ins. Das Ziel ist natürlich klar, denn man möchte natürlich die Nutzer der ganzen sozialen Netzwerke auf die eigene Seite bringen. Und selbst wenn diese Buttons gar nicht erst angeklickt werde, übertragen sie dennoch ganz eifrig Daten, unter anderem gehören hier die IP-Adresse des Nutzers dazu und auch eine Liste die angibt, welche Seiten besucht wurden, und auch die Verweildauer sowie die Zeitangabe gehören dazu.

Bei den Nutzern von Facebook ist es dann so, dass man diese Liste mit der Nutzernummer von Facebook zusammenführt, und dadurch wird das eigene Profil personalisiert. Bis zu zwei Jahren lang speichert Facebook diese Daten, und logischerweise weiß Facebook dann ganz genau, auf welchen Seiten der Nutzer dann in den letzten Monaten gewesen ist, die ein solches Social-Plug-in haben.

Auch alle Nutzer, die gar nicht bei Facebook sind, können auf diese Art und Weise sehr detaillierte Profile erstellt werden. Klar also, dass die Datenschützer nicht gerade erfreut sind über diese Praktiken. Die sozialen Netzwerke behaupten zwar alle, dass die Daten anonymisiert werden, aber dennoch gibt es hierüber keinerlei Kontrolle. Thilo Weichert sagt dazu, dass die Gesetze hierzulande verlangen, dass alle Nutzer ausreichend darüber informiert werden über die Datenverarbeitung, die sie selbst betrifft, und es müsse auch eine Wahlmöglichkeit geben. Somit sieht es so aus, dass die Schnüffler ihr Verhalten ändern müssen, andererseits kann es zu recht empfindlichen Bußgeldern kommen, die den Webseitenbetreibern drohen. Hier steht ein Betrag von bis zu 50.000 Euro im Raum.

Vielleicht kann diese Abschreckungspolitik auch wirklich greifen, aber bis es soweit ist, sollte jeder Internetnutzer zur Eigeninitiative greifen. Sehr hilfreich ist hier ein Browser-Zusatzprogramm wie beispielsweise „Ghostery“. Solch ein Programm enttarnt die ganzen Datensammler, und es zeigt auch gleichzeitig, was denn alles ausgekundschaftet worden ist. Und das Beste daran ist, dass man die Spione dann auch ganz einfach und schnell blockieren kann.

 

Bildquelle: Gerd Altmann  / pixelio.de

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