Handy Spionage auch in Deutschland

Handy Spionage Mehr als 150 Millionen Smartphones haben ohne Wissen der Besitzer eine eingebaute Spionage-Software an Bord. Die Software Carrier IQ scannt sämtliche Nutzungsdaten bis hin zu SMS-Inhalten und Passwörtern und speichert diese ab.

Entdeckt wurde das hemmungslose Datensammeln vor knapp zwei Wochen von dem 25jährigen Trevor Eckhart, Mitglied bei xda-developers und damit Smartphone-Enthusiast und Android-Experte. Durch Zufall stieß Eckhart auf die geheime Datensammelei in seinem eigenen HTC-Android-Smartphone, dokumentierte sie und ging damit an die Öffentlichkeit.  In einem sehr scharf formulierten Schreiben wiesen die Carrier IQ-Anwälte die Behauptungen zurück und drohten Eckhart mit einer Klage wegen Verletzung der Urheberrechte. Dieser ließ sich jedoch nicht abschrecken, sondern wandte sich an die „Electronic Frontier Foundation (FFF), einer Datenschutz- und Bürgerrechtsorganisation.  Mit deren Hilfe und der Beweiskraft der Entdeckung Eckharts zog Carrier IQ sich kleinlaut zurück.

Seitdem ist das ganze Thema eine trübe Brühe aus Zugeständnissen, Dementis, Abwiegeleien und immer wieder neuen Entdeckungen bezüglich des beträchtlichen Ausmaßes der Sammlung von Nutzerdaten.

Die Software Carrier IQ sitzt tief im Anwendungsbereich von Smartphones und Tablets. Sie ist nicht in den Anwendungen verzeichnet und lässt sich auch nicht mal eben deinstallieren. Alle Aktivitäten des Nutzers können von ihr aufgezeichnet und gespeichert werden und liefern ein umfassendes Bild des Nutzers: Seine Position und seine lokalen Bewegungen, seine SMS und E-Mails, seine aufgerufenen Webseiten, die Bankdaten – eben alles.

Jedem Datenschützer erscheint das wie der GAU, und es ist tatsächlich Realität. Carrier IQ hat inzwischen zugegeben, dass ihre Software auf über 150 Millionen mobilen Geräten läuft, aus Gründen „der Qualitätssicherung und Optimierung“. Android-Geräte sind ebenso betroffen wie Symbian, Blackberry und auch Apple, und zwar weltweit.

Auf die Schnelle wurde eine App nutzbar gemacht, die überprüfen kann, ob Carrier IQ auf einem mobilen Gerät installiert ist. Verschiedene IT-Experten sind auch in Deutschland fündig geworden. Es spielt also keine Rolle, wo das Gerät gekauft wurde.

Sehr unklar ist, wer überhaupt dafür verantwortlich ist. Manche Gerätehersteller streiten vehement ab, davon Kenntnis zu haben (Nokia), manche behaupten, sie seien von US-Mobilfunkbetreibern dazu gezwungen worden (HTC und Samsung).

Der Schwarze Peter liegt zurzeit steinschwer bei den Mobilfunkbetreibern. Aber was wollen die mit den Daten? Handeln sie gar im Auftrag der  US-Regierung? Können die Daten vor Missbrauch geschützt werden? Und wer schützt die Bürger vor der totalen Überwachung?

Die Theorien und Fantasien blühen derzeit üppig, und der Aufklärungsbedarf ist groß. Ob es Datenschützern gelingen wird, ernsthafte Sanktionen zu erwirken, bleibt abzuwarten. Sie kämpfen ja schon mühsam gegen die Daten-Sammelleidenschaft von Facebook und Google und kommen nur in sehr kleinen Schritten voran, solange die breite Masse der User dem eher gleichgültig gegenübersteht.

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