Readmill: Sozial vernetzt gemeinsam lesen

Bücherregal Eine neue Kultur des Bücherlesens möchte das Berliner Start-up Readmill in Gang setzen. Bücher und Leser sollen miteinander vernetzt werden um Bücherlesen sozialer zu machen.

Die beiden Initiatoren Henrik Berggren und David Kjelkerud aus Stockholm sind extra nach Berlin umgesiedelt, dem derzeitigen Mekka der innovativen Start-ups. Sie sind selbst Vielleser, doch empfinden sie Lesen als eine zu einsame Beschäftigung. Wer liest, tut das allein, und wenn er mit jemandem über das Buch sprechen will, ist das sofort und aus dem Stand nicht möglich. Es gebe zwar einige E-Book-Dienste, aber keinen, der wirklich sozial sei.

Um diese Lücke zu schließen, entwickelten Bergren und Kjelkerud  Readmill, einen Internetdienst für E-Book-Lesegeräte. Die Software ist beim Lesen wie ein  Lesezeichen dabei, protokolliert den Lesefortschritt, markiert auf Wunsch Passagen und kritzelt Anmerkungen zu Textabschnitten, die auch anderen Readmill-Mitgliedern angezeigt werden. Man kann dann gemeinsam darüber diskutieren und sich gegenseitig Hinweise geben. Jedes Mitglied kann ein öffentliches Verzeichnis seiner gelesenen Bücher führen und so neue Entdeckungen bieten.

Bücherfans mit gleichen Interessen finden unkompliziert zueinander, sie müssen sich nicht erst suchen. Das Ganze funktioniert erst dann optimal, wenn dem Readmill-Zentralserver möglichst viele Lesedaten verschiedener E-Book-Leseprogramme und –Geräte zur Sortierung zur Verfügung gestellt werden. Bisher stehen die Chancen dafür recht gut, der E-Book-Bereich steht erst am Anfang seiner Entwicklung. Die Menge der E-Book-Programme und Lesegerätehersteller ist noch überschaubar, für die entsprechenden Verlage wäre Readmill von Vorteil, denn vielen Buchempfehlungen könnte der Buchkauf per Readmill-App folgen.

So weit, so gut, eine wohldurchdachte Idee. Nur über die Prämisse mag man stolpern: Kjelkerud bezeichnet Bücher als „irgendwie kalt und unsozial“, Lesen als eine zu einsame Beschäftigung.

Der klassische Bücherleser mag aber genau darin höchsten Genuss gefunden haben, man zieht sich zurück aus dem täglichen Miteinander, nachdem man schon mehr als die Hälfte seines Alltags „sozial“ verbracht hat.

Man hat geposted, geliked, geplussed und getwittert, News kommentiert, E-Mails beantwortet, mit Arbeitskollegen interagiert, per SMS Verabredungen getroffen und im Hausflur noch Smalltalk mit dem Nachbarn gehalten. Welch ein Vergnügen, wenn man dann ganz für sich allein ein Buch in die Hand nehmen kann, beim Aufschlagen den vertrauten Papiergeruch schnuppert und dann abtaucht in eine andere Welt, in der niemand irgendetwas von einem verlangt!

Auch das Bücherlesen unterliegt  dem Wandel der Zeiten, nach dem Verlust der Privatsphäre der „génération exhibition“  werden auch Bücher vielleicht nach und nach fast ganz verschwinden. Assoziation: „Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt … Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bewohntes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten…“.

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